Nach einer langgezogenen Linkskurve passieren wir bei Tagesanbruch eine grosse und fruchtbare Ebene. Ein grosses Flussdelta. Die Strasse ist recht buckelig.
Kurz nach der Ueberquerung des Neretva Flusses wird es langsam Zeit wieder Diesel zu tanken und etwas Gas nachzufüllen.
Der Tankwart entpuppt sich als sprachliches Multitalent.
Wir fluchen der Reihe nach auf Russisch, wegen der Kälte, dann Spanisch was wir wegen der Wärme tun welche beide vermissen, etwas Deutsch weil er dort gearbeitet hat, Französisch weil ich denke ich setze noch einen drauf, Italienisch kann sein Kumpel mit den beiden Wollmützen auf dem Kopf und bezahlen tu ich mit der Kreditkarte. Der Plausch hat eine halbe Stunde gedauert und der Motor ist kalt geworden in dieser Zeit.

In Klek ist Grenzübergang zu Bosnien. Wie lange wir bleiben wollen wird gefragt, ich meine so eine Stunde schon. Blöde Frage, ehrliche Antwort oder umgekehrt.
Heute war grad nicht mein Spasstag an der Zollstation und ich weiss, er muss das fragen.
Da meine Frau einen iranischen Pass mitführt ergeben sich eben solche Gespräche.
Etwas irritiert mich an diesen Grenzübergängen. Die Scheiben sind getönt. Alles was ich sehe sind speckige, feiste Hände mit abgekauten Nägeln. Was die wohl in der Freizeit so tun frage ich mich.

Das kurze Stück Bosnien fährt mir schräg ein. Irgendwie tun mir die Bosnier leid, bloss so ein kurzes Stück Küste zu besiedeln.
Allerhand aberwitzige Ferienhausbauten und Hotels säumen deshalb die Küste, man ist wer, hat man hier ein Stück Beton mit Fenster im Portfolio.
Kurzum sind wir zurück in Kroatien. Passt.

Nach Dubrovnik biegen wir links ab, in die Berge hoch. Wieder Zoll nach Bosnien, grandiose Landschaft hier. Weiter den Hügel und ins Land hoch, wir passieren Trebinje und fahren weiter. Immer weiter. Der Motor kriegt kaum noch seine Temperatur, weil wir fahren langsam.
Man hat immer Gaffertape dabei. Ich verklebe den Kühler nun komplett, drehe die Truma hoch, den Kühlschrank zurück.

Es wird langsam wirklich kalt hier. Dafür bestes, klares Wetter. Ein Traum hier zu fahren. Wie das wohl im Sommer ausschaut?
Kaum ein Auto auf der Gasse. Und wenn, dann in der Gegenrichtung runter zur Küste.
Asudeh navigiert wieder, das billige TomTom ist am Ende und hat buchstäblich keine Ahnung wo wir sind. Trotz Empfang und Informationen aus dem All. Fake News wahrscheinlich. Immerhin hat uns die Software gewarnt, für die Strecke liegen nicht genügend Informationen vor. In typischem Juristendeutsch. Ja nicht zugeben, dass Googlemaps existiert. Aber wir haben keine Simkarten mit, also lassen wir Googlemaps mal sein. Dafür eine neue Karte vom Balkan von Hallwag. Das reicht locker.

Die Strassen sind eigentlich sehr gut im Schuss. Hin und wieder ein knietiefes Schlagloch, dann wieder etwas dünner Belag, aber ansonsten gut zu fahren.

Die Bauernregel, dass wenn die Hühner im Stall bleiben, grosse Kälte vorherrsche, trifft heute zu.
Ich sehe weder Hühner noch sonst wer freiwillig draussen rumstehen.
So langsam bleiben immer mehr Schnee und Eis auf der Passstrasse liegen.
Die Strasse die uns hin zum Grenzübergang Ilino Brdo nach Montenegro führt, oder wie das auch immer heisst, wird steiler. In den schattigen Partien wird es rutschig und glatt.
Immer fahren, ja nicht stehen bleiben und superweich schalten, weiche Lenkbewegungen, ja nichts meiner Frau über meine Bedenken sagen und überhaupt.
Ich bin froh mit den GoodYear Cargo 195er Reifen, einen tauglichen M+S Reifen mit schmaler Lauffläche montiert zu haben. Ketten hätten wir nicht dabei. Schliesslich wollen wir nach Kreta und nicht nach Sibirien. Das war der Plan. Augenblicklich rechne ich etwas rum, so wenn was wäre, was dann und wie.
Die Landschaft entschädigt aber alles und wir hätten genügend Gas für die Heizung, sicher für zwei Tage mit kochen eingerechnet.

Am Grenzposten dann eine kleine Ueberraschung, die Hände fuchteln mit dem Pass meiner Frau rum und die Stimme meint, wir hätten keinen Einreisestempel für Bosnien drin.
So ein oller Käse, ich verlange den Pass selber zu sehen und blättere drin rum.
Die Hände haben tatsächlich recht. Kein solcher Stempel heute gekriegt bei der zweiten Einreise. Ist mir gar nicht aufgefallen.
Wir haben einen Stempel der aussagt, wir wären am Morgen eingereist, einen der aussagt wir hätten Bosnien kurz nachher ereicht und durchquert, aber keinen der bezeugt wir wären wieder eingereist nach verlassen von Dubrovnik bis hierhin.

Die Hände telefonieren jetzt. Das tun die immer wenn es kritisch wird.
Mal den Chef damit belasten, der kriegt ja auch mehr Geld für den Job.
Der rauscht dann in voller Grösse an. Hat sogar einen Orden an der Brust, das sehe ich sofort und mache ihn darauf aufmerksam, dass ich das eben gesehen hätte. So Zeugs imponiert mir ungemein, ich habe vier dieser “Orden”. Einer davon weil ich den 12 Minuten Lauf in der Armee unter zwei Stunden gerannt bin, einer dass ich mit der Pistole auf 25 Meter die Zielscheibe vor dem Hang mehrmals getroffen hätte und noch zwei weitere, ach lassen wir das. Ich spiele in seiner Liga mit. Ich verhandle jetzt mit jemandem auf Augenhöhe.

Meine Frau fragt mich ob die beiden vielleicht etwas Entscheidungshilfe haben möchten, ich meine noch nicht, wir wären ja hier nicht in Afrika auf dem Markt. Temperaturmässig stimmt das sogar.

20 Minuten später erhalten wir eine “Sondererlaubnis” das Land auf direktem Weg und ausnahmsweise sofort zu verlassen. Dieser direkte Weg führte uns bloss zum nächsten Problem um die 150 Meter weiter vorne. Bei der Zollstation von Montenegro.

Judihui, das Bild ist aus der Gegend von Bosnien

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