Durch ein winterliches Montenegro nach Albanien und endlich nach Griechenland.

Nach dem glücklichen Visumentscheid, für uns wie auch für die beiden Ehefrauen der Zöllner, fahren wir durch eine verschneite Gebirgslandschaft weiter. Wir folgen in gemächlichem Tempo der Strasse runter zum Slansco Jezerro See. Hin und wieder ein Auto, hin und wieder eine Siedlung, ein paar Häuser. Die Strasse wird mit M6 bezeichnet und wer gerne fährt, der fährt hier genau richtig. Auf der guten Strasse wurde an einige Stellen etwas Streusalz ausgebracht, den Rest besorgt die Sonne. Viel Schnee, so Meterweise, hat es nicht. Einfach schön überzuckert.

Der Diesel bringt das Kühlwasser so auf 80 Grad, Oel liegt um die knapp 90 Grad. Mehr braucht es nicht. Hinten wärmt die Truma, vorne gibt es viel zu sehen, zu reden und zu lachen. Take five.
Bald umrunden wir den grossen See, der sich uns gefroren präsentiert und fahren weiter in die kleine Stadt Niksic.

Ich suche eine Abdampfe um das Salz vom Wagen zu waschen.
Wir finden so eine Abdampfe links an der Hauptstrasse und werden von zwei jungen Männern spontan eingewiesen in eine Box reinzufahren die funktioniert und vor allem nicht ganz zugefroren ist.
Ich hangle mich aus dem Ducato raus, balanciere über das Eis zum Münzkasten.
Werfe dort nach genauem Studium der Anleitung eine Euromünze ein, schnappe mir die Lanze, wähle sowas wie abwaschen, drücke auf den Hebel der Lanze und fliege rückwärts zur Abdampfe raus.
Einen Rückstoss hatte ich schon erwartet, aber gleich so wie einen Hochdruckfeuerwehrschlauch Rückstoss dann doch nicht. Und auf dem Eis ist kein Halt.

Gut, das war der erste Versuch. Ich versichere mich dass nicht gerade halb Montenegro zugesehen hat und fange nochmals an. Ich spritze mit kaltem Wasser für diesen einen Euro TwinsWerner von oben nach unten ab, halte die Lanze drunter, spritze den Unterboden auch ab.
Dann spritze ich wieder von oben nach unten ab. Für den einzigen Euro den ich eingeworfen habe könnte ich locker die halbe Stadt abspritzen.
Es will nicht enden. Mir frieren die Hände langsam ab. Ich gebe auf, drücke auf Stop und steige wieder ein.

Jetzt müssen wir bloss noch zur Box raus kommen. Ich lege den ersten Gang rein, schabe über das Eis und draussen sind wir.

Es geht weiter. Asudeh hat während der Spritzgeschichte drinnen was zu Essen gemacht. Wir sind auf Kurs, der Diesel summt, zufrieden brummt der Magen, wir haben noch genügend Treibstoff im Tank.
Jetzt folgen wir der M18 runter nach Podgorica. Eine Hammerstrecke. Die recht gut ausgebaute Strasse folgt den Konturen des grossen, langen Gebirgstal langsam runter zu einer fruchtbaren Ebene. Langsam verlassen wir die Höhen mit Schnee und es wird nicht wärmer, sondern einfach nur schneeloser.
Und dort, auf 150 Meter über Meer, liegt die Hauptstadt von diesem kleinen Land. Der Flecken Stadt hiess auch mal Titograd oder so.
Bald schon sind wir auch wieder an der nächsten Zollstation. Diesmal, reine Formsache.

Hani i Hotit, Bozjai heisst das erste Kaff in Albanien das wir durchfahren. Das Land im Zeichen des Doppeladlers erreichen wir gegen den späteren Nachmittag. Was sofort auffällt hier, es ist eine der längsten Mülldeponien die ich je durchfahren habe. Bisher.

Zudem weiss ich nun, wohin auch all die Daimler Benz verschachert werden. Es war ein Sonntag und vor gewissen Restaurants waren die Protzkisten mit den superbreiten Felgen alle ausgestellt. Auf Hochglanz polierte Symbole des Aufstieges. Alles Fussballer können es ja nicht sein, die diese Gefährte hier ausstellen.
Noch was anderes fällt uns auf. Die Tankstellen hier. Alle paar Kilometer hat es eine.

Wir sind in Albanien gar nicht gross ausgestiegen. Sondern gefahren. Griechenland war verdammt nah und in solchen Situationen kann ich locker noch ein Scheit Holz unter den Kessel werfen und zufahren.
Ich fahre zu gerne um jetzt nach einem Stellplatz zu suchen, bloss um zu warten bis es wieder hell wird. Ich könnte gar nicht einschlafen.

Asudeh ist einverstanden und wir geben im Navi das Grenzdorf Ktismata ein.
Zuerst muss man das Land wechseln, GR, dann eben dieses Ktismata eingeben. Wir üben uns schon etwas in der Aussprache.

So gegen Abend um 10 würden wir dort sein. Wir geben weiter ein paar Wegpunkte ein. Bis runter an die Küste. Und fahren weiter. Es wird langsam dunkel. Es wird hier unten sehr dunkel. Die Regierung verschwendet kein Geld in Strassenbeleuchtung und Unterhalt. Die Schlaglöcher werden auch etwas tiefer. Hin und wieder sind sie ganz einfach gefährlich.

Via Durrës, Lushnjë halten wir die Richtung nach Fier. Diesen Wegpunkt lösche ich während der Fahrt, da ich Landei dachte, eh, da wollen wir nicht mitten durch das Kaff, sondern drum herum. Ich konnte mich erinnern, auf der Karte mal gesehen zu haben, dass um diese Siedlung eine Umfahrung führt. Also warum durchfahren. Womöglich noch vor einem Rotlicht gemeinsam mit Albanern warten bis die Sonne aufgeht.

Und so lernen wir im diffusen Scheinwerferkegel der 30jährigen Beleuchtung von TwinsWerner, nationale Strassen und Chausseen von Albanien genau kennen. Sonst sieht man ja nichts.

Ich, der unbestrittene Meister aller Automobilen Volltrottel folge also dem Navi. Blind und wie ein Anfänger. Und der wichtige Wegpunkt ist ja gelöscht.
Wir landen bald einmal in Berat. Einem Nebengeräusch der Geschichte, eine der am längsten bewohnten Städte dieser Gegend.
Genau dort waren wir jetzt. Auf der grossen Brücke biegen wir links ab. Ich staune. Das soll also der Weg nach Griechenland sein?

Der Mann im Navi meint ja. Meine Frau meint nein. Ich und der Mann im Navi setzen uns durch und fahren durch ein abgewracktes Quartier, biegen halb rechts ab, die Strasse steigt an, uns in einen Wald führend.
Dort im Wald, da hört der Strassenbelag auf zu existieren. Ich kenne das. Das sind bloss ein paar Meter Baustelle, dann geht es weiter. Aber er kommt nicht mehr zurück der Belag.
Dann ist er halt gestohlen worden. Von der Balkan Mafia. Damit sie wieder neuen verkaufen können.
Oder sie bauen gerade die neue Strasse nach Griechenland, extra für uns. Der Feldweg wird aber offenbar doch recht stark befahren. Die Felsen, die frech aus dem natürlichen Biobelag rausschauen, sind von den Reifen glatt poliert. Wir polieren munter mit.

Das Porzellan hinten hüpft an die Decke, die Möbel ächzen und das Fahrwerk schlägt auf den Gummiblöcken auf. Ich kurve links und rechts um Löcher, grossen Steinen und tiefen Rinnen ausweichend, über den Feldweg. Hinten wird es Nass auf dem Boden. Wasser spritzt aus den Containern unter der Spühle raus. Genau so habe ich mir das vorgestellt.
Das Wetter draussen ist zum Glück trocken. Die Reifen sind wirklich gut, das muss ich sagen. Aber was für eine schmierige Seife das bei Regen wohl sein wird, kann ich mir vorstellen.

Asudeh findet es sei genug jetzt. Sie findet auch, wir seinen voll vom Weg abgekommen, diese Strasse existiere wohl im Hallwag und Navi, jedoch sei dieser Pfad noch nicht fertig gebaut worden. Eine dieser kommunistischen Strassen. Geplant, nie gebaut, aber munter benützt. Irgendwie so.

Erstaunlicherweise passieren wir aber Strassensignale wie auf einer Hauptstrasse, die uns warnen es gehe dann nach 50 Metern scharf links oder rechts rum, sogar Temposignale sind vorhanden und auch Stützmauern. Alles wie in echt. Einfach nicht der Pfad selber.

Ich komme nicht aus dem ersten Gang raus. Mehr als Schritttempo liegt nicht drin. Und der Weg steigt wieder zünftig an.
Hoffentlich halten die neuen Schweissnähte, hoffentlich hält die Verstärkung der Kiste hinten und hoffentlich springt mir die Frontscheibe nicht aus dem Rahmen.
Hätten hier wohl besser die Pferde gesattelt.
Ich habe genug. Meine Frau liebt mich wieder und ich versuche nun zu wenden. Das gelingt dann auch. Etwas weiter oben.

Das Problem beim umdrehen ist, man weiss was jetzt vor einem liegt.

Und so zirkeln wir wieder runter zu dieser Brücke in Berat. Berat, das tönt doch schon fast wie Borat, aber das war eine Geschichte mit Kazakhstan oder so. Auch übel.

Wir fahren weg aus Berat, verfolgen scheu ein Polizeiauto für etliche Kilometer. Asudeh navigiert wieder selber. Ist mir lieber. Kann die Verantwortung abgeben und zufahren.

Es ist Nacht. Und ich will Diesel tanken. Und Gas brauchen wir auch wieder.
Wir finden auf dem Weg nach Fier beides an einer Tanke mit Tankwart. Dem fällt der Zapfrüssel mit Diesel schon mal runter, direkt auf den Kotflügel mit dem 2 Komponenten Lack den ich vor drei Jahren mit meiner eigenen Hände Arbeit mühsam im Winter aufgebracht habe.

Der Lack aber, der hält. Ich lächle versöhnlich. Mehr liegt grad nicht drin.
Der Tankwart will zuerst kein Autogas rausrücken. Die Aussenbetankung ist ihm etwas suspekt. Ich zeige ihm den passenden Adapter und er löscht seine Kippe, dann tankt er. Full?
Ja klar. Maximum, sind ja eh bloss um die zehn Liter. Und lass den Rüssel nicht fallen. Diesmal.

Ich zahle. Eigentlich ist er ein netter Tankwart. Ich runde den Preis etwas auf. Trotz dem Zapfrüssel den er fallen lässt. Ist ja auch schweinekalt. Und überhaupt. Vielleicht hat er ja Kinder.
Wir fahren weiter. Verpassen um ein Haar fast die Abzweigung. Noch vor Poshnje, folgen wir der SH73 runter nach Fier.

Das ist eine sehr abwechslungsreiche Strasse, technisch gesehen. Es hat durchaus Teilstücke dabei, die haben schon, oder haben noch, einen Belag. Dann hat es immer wieder ein paar Wegstücke, die waren vor dem letzten Erdbeben schon schlecht im Schuss.

Wie machen die das bloss mit diesen tiefer gelegten Nobelkarossen aus Germanien, wenn ich ja mit dem 280er schon am zirkeln bin.
Es wird langsam etwas spät, wir werden Griechenland nie erreichen. Anhalten kommt gar nicht in Frage. Der Indianer kennt keinen Schmerz und reitet weiter. Was wir auch tun.

Via Tepelenë geht es weiter. Und ein Wunder passiert. Die Strasse wird schlagartig richtig gut.
Flach wie es nur geht, keine Löcher mehr, gutes fahren. Entspannung pur im fünften Gang bei achtzig Sachen in der Stunde.

Wir lernen Albanien im Scheinwerferkegel nun doch noch von der guten Seite kennen.
Sowieso, “erfährt” man ein Land nur im Umkreis der Fahrzeugbeleuchtung, bleiben die Schönheiten des Landes natürlich auf diesen Kegel beschränkt. Oder auf die Leuchtreklamen. Von denen hat es aber herzlich wenig. Seit wir Italien verlassen haben sahen wir am Weg weder Coca-Cola noch Mc. Donald Reklamen.

Wir kommen gut voran. Wir folgen der E853 und langsam bessert sich meine Stimmung. Schokolade und süsser Tee helfen entscheidend weiter.
Der Müll wird weniger, da wir dünner besiedeltes Gebiet erreichen. Die Strasse steigt langsam wieder etwas an.
Ein Auto kommt uns entgegen, ich blende ab. Unser Fahrlicht geht gleich ganz aus. Ich blende sofort wieder auf, der entgegenkommende Fahrer blitzt nur kurz zurück, er verstehe das Problem meint er wohl damit.
Ist offenbar nicht selten, dass die Lichter nicht alle funktionieren. Er zieht schnell vorbei, ich blende wieder ab, kein Licht.
Es ist Vollmond. Man würde die Strasse erkennen können. So im Fall. Und wir würden Griechenland auch ohne Licht erreichen. Wenn es sei muss.

Nach ein paar Versuchen denke ich, ich hätte die Lösung gefunden. Licht ganz aus, abblenden, dann Licht wieder ein. Dauert wenn es geradeaus geht, bloss eine Sekunde das Schaltmanöver. Ist aber auf Dauer nicht haltbar. Irgendwie ist es recht kitzelig so ohne Licht zu fahren. Wir halten an um natürlich noch ein Nachtbild zu machen.  Einfach den Fotoapparat lange genug belichten lassen.

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Diese Lösung ist aber keine Lösung. Der Belag hört auf. Nicht schon wieder. Mitten auf der Strasse bleiben wir stehen, Handschuhfach ausräumen, Relais prüfen. Das Gerüttel hat sicher einen Wackelkontakt verursacht. Ich wechsle die beiden Relais vom Licht und Fernlicht untereinander aus, der Spuk ist vorüber.
Das Licht lässt sich wieder ordentlich ein-, um- und ausschalten. Sehr gut. Einmal abwaschen weniger.
Asudeh räumt das Handschuhfach wieder ein. Ich mache ein Nachtfoto von der Gegend. Wir fahren weiter.
Diesmal ist es wirklich so, die Strasse hier ist seit Jahren gerade im Endstadium der Erstellung, ein paar Kilometer weiter vorne hat es wieder Belag. Der bis an die Grenze wieder etwas dünner wird.
Und so erreichen wir doch noch das Tor zu Griechenland. Morgens um fünf sind wir abgefahren, haben drei Länder durchquert, es ist nun um die drei Uhr in der Nacht vom drauf folgenden Tag wir sind in euphorischer Stimmung.
Zu Albanien raus ist nicht der Rede wert, bis auf dass ich zuerst am falschen Häuschen anstehe. Bei nächsten Zollhäuschen geht das Licht an, da ist jemand da. Schnell zurücksetzen, dort ranfahren, hallo sagen, Pässe zeigen und abziehen.

Griechenland wartet, Papiere sind schwer in Ordnung. Dann 20 Meter weiterfahren und dort ist die Schranke zu. Ich warte. Dann stelle ich den Motor ab, steige aus.
Lungere etwas rum. Kommt aber niemand. Ist nicht warm da am Zoll.

Schlurfe dann in das Gebäude rein. Bin etwas steif in den Gliedern in dieser wunderschönen Nacht, fast schon in Griechenland. War ja auch ein langer Tag.
Es wären schon irgendwelche Beamte da, ich kann ein paar von ihnen hören. Ich rufe ein paar mal hallo in das Gebäude, studiere die Poster mit den verbotenen Sachen und sehe ein paar bekannte Dinge auf diesen vergilbten Aushängen. Nichts, dass man nicht wegdiskutieren könnte.
Endlich, ein Zöllner läuft an mir vorbei, sagt eine ganze Menge und ich verstehe Bahnhof. Immerhin, einer hat mich gesehen. Das wird sicher wie ein Lauffeuer in der Zollstation rumgehen, da stehe einer mit grünen Hosen, etwas steif und mit krausen Haaren.

Schliesslich kommt ein anderer Zöllner um die Ecke, der spricht gutes Englisch, fragt ob ich was zu verzollen hätte. Ich schiele auf die Plakate und sage nein. Nicht wirklich.
Ich sei wir und wir seien mit dem Bus der dort draussen steht, grad angekommen. Wir gehen beide raus um uns besagten Bus von hinten anzusehen. Es steigt weisser Rauch aus unserm Kamin auf.
Wir heizen ja andauernd. Der Mann vom Zoll findet das richtig witzig. Ich notgedrungen auch.
Das Auto sei 30 jährig sag ich. Nicht dass der denkt wir hätten Kohle wie blöd und dass er mir noch in die Kiste reinschauen will. Oder noch übler, in den Bus selber.
Besonders im Kühlschrank hat es noch ein paar Sachen die jenen auf dem vergilbten Aushang ähneln. Und was ist mit diesem Pilz den wir dabei haben. Gross wie eine Handfläche und schwabelig ist er auch noch. Lebt ja völlig vor sich hin im Dunkel vom Kühlschrank.
Der Zöllner schaut nicht rein. Ist zu kalt draussen. Und zu spät in der Nacht.

Die Schranke geht auf, wir sind im Land. Fahren eine Stunde weiter um an einer Tanke zu übernachten. Ich bin müde. Asudeh auch. Und wir schlafen zum ersten mal in Griechenland. An einer Tanke. Sehr romantisch das. Wir lassen uns durch nichts wecken.

Und am nächsten Tag fahren wir gegen Mittag weiter nach Ioannina, direkt zu einem Praktiker Markt.
Der erste vernünftige Laden den wir erblicken. Aus unserer Sichtweise zumindest.