geht

uns grad etwas an uns vorbei. Heute wäre der 24. Dezember. Da feiert meine Sippe das erste mal, am 25. das zweite mal. Wir machen es kurz hier auf dem Campingplatz ohne Gäste. Werfen den Diesel an. Wenn es so scheisskalt wie heute morgen ist, glüh ich schön den Diesel vor, lasse den Anlasser ganz kurt drehen. So dass die Kolben sich einmal runter und rauf bewegeen. Die Oelpumpe ist dann auch schon wach. Springt er an, Bingo, springet nicht an, sofort wieder vorglühen, den Anlasser drehen lassen und der Italiener vorne springt an, hustet eine Umdrehung lang, geht dann schlagartig auf 900 Umdrehungen pro Minute, da lass ich den mal zwei Atemzüge lang und dreh langsam auf 1250 Umdrehungen. Das mag er am besten. Und so wie hier, ohne Verkehr, rollen wie zwei Minuten später im ersten Gang mal weg. Nach Osten. Keiner der Stresst hinter uns.

Wir fahren auf der Strandstrasse bis hin zu einem kleinen Fischerhafen. Der ist ziemlich unspektakulär. Eine blonde Figurina fährt mit dem Küstenwache Auto an uns vorbei, wir winken uns alle etwas zu.  Aber es hat immerhin einen Glascontainer stehen. Die leeren Pullen müssen zum Bus raus und da rein.

Ich steig dann ein, leg den Ersten ein und wir fahren weiter. Wir drehen um, der Weg führt nicht weiter. Nehmen einen anderen unter die Räder.

Wir halten uns der Küste entlang. Staunen die prächtigen Villen etwas an und die modernen Ruinen nebendran auch.

Nach sagenhaften 30 Kilometer und einer Stunde fahren, haben wir die Nase voll. Finden den Weg zu einem anderen Fischerhafen runter, in der Hoffnung die Taverne hätte offen dort. Könnten jetzt einen steifen Drink vertragen. Die blaue Taverne hat nicht offen.

Eine handvoll Männer mähen hinten am Parkplatz an der Böschung etwas das Gras weg und räumen auf. Einer der hier was zu sagen hat meint, wir sollen uns doch vor sein Boot hinstellen. No problem, water here see, yu, quiet too.

Wir parken, die Sonne versteckt sich, die Sonne scheint, es ist etwas luftig dann überhaupt nicht, ein paar Regentropfen fallen vom Himmel runter. Es tut was wettern. Ich kenne die Wetterregeln hier in der Gegend nicht. Wir Zeit die mal genauer zu studieren.

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Wir tun was arbeiten im Bus und die Batterien halten durch. Ich schlepp ich mich mal um die paar Häuser und staune dann aber gar nicht schlecht.

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Buchstäblich neben, unter, hinter und vor jedem Haus lugen Ruinen der Römer hervor. So um die drei bis vier Meter tief verborgen. Mit etwas EU Geld einiges ausgegraben, der Rest der Mauern sind die Keller der paar Wohnhäuser da. So wie bei der blauen Taverne, die geschlossen hat heute.

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Ich frag mich manchmal warum an solch unbedeutenden Orten gegraben wird. Wir haben einfach eine Sammlung Tonscherben mehr und mit Glück ein paar Kleiderspangen. Der grosse Schatz aber liegt sicher nicht hier vergraben.

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Die Gegend ist voll dieser Mauern. Etwas weiter oben, so um die zwei Kilometer weit, finden wir Theater, Tempel und anderes. Da so um die Ägäis rum hat es eben so Zeugs. Ist bekannt dafür. Grund genug für uns hier etwas langsamer zu werden. Leider hat das EU Geld auch dazu gereicht, diese Nato Zäune drum rum zu bauen. Das erschwert meine privaten Forschungen immer etwas. Und der süsse Hauch des Illegalen weht, während ich mir eine Lücke suchen muss. Eine EU Aussengrenze, quasi.

Vorne am Hafen wird es dunkel und kälter. Vorher aber gibt die Landschaft noch Vollgas mit schönen Farben und dem ganzen Klimbim. Möven schreien, Wasser dümpelt an die Boote, es klimmert aus einer Takelage, hin und wieder weht Diesel oder Oel Geschmack rüber, Fischgeschmack trotz Kälte, Hundegebell oder Katzenmiau. Etwa so. Genau die Sachen die wir mögen. Sonst wäre wir ja nicht da.

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Ein paar urige Griechen und ein Bulgare tauchen auf und fischen hier den Hafen ab. Mit so Leuchtdingern oben an den Hacken und einer der Fischer will mir unbedingt einen Griechenkaffee abbieten. Die kalte Version.

Vergeblich will ich ihn, zu einem Italienischen und vor allem heissen Kaffee aus der Bialetti, überreden. Das will er dann aber gar nicht. Also schlürfe ich etwas an dem kalten Gesöff rum, helfe etwas fischen und wie üblich beisst ja keiner an. Die Fischer stehen im Heck von zwei Fischerbooten, stellen einen Stuhl hin und genug zu rauchen haben sie auch dabei. Und Köder haben sie auch. Würmer und so kleine Krabben, oder was das auch für Viecher sein mögen. Und da sitzen sie denn und reden miteinander. Ich habe null Plan was die so sagen, aber die Musik dieser Sprache, erzählt zumindest etwas über den Umgang untereinander.

Und der Umgang ist herzlich, nah und unglaublich ruhig. Sie sagen nie viel auf ein mal. Es sind kurze Sätze mit sofortigen Antworten. Keine Vorträge. Manchmal sagen sie nur ja oder nein. Dann schweigen sie etwas. Bei schweigen kann ich gut mitreden.

Dann steht einer auf und zieht die Leine ein. Beäugt den Köder, tut was dran und schmeisst die Leine wieder raus. Mit einem guten Schwung durch die Masten der Schiffe hindurch. Und so ein Neoleuchtwürmchen schwimmt dann auf dem Wasser. Es sind grad vier dieser Würmchen am leuchten. Und das Meer ist jetzt schwarz. Unten am Hafen hat es eine Laterne stehen. Die Lampe da drin flackert hin und wieder bis dunkel und plötzlich leuchtet die Lampe wieder.

Ich habe jetzt genug gefischt, bedanke mich artig für den Kaffee und wünsche allen viel Glück bei diesem fischen. Morgen fahren wir in die Türkei.

Etwa so ist das in der Nacht dann. Und knapp etwas unter Null Grad. Mit und ohne Wind.

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